Patrizia Bambi auf der 100. Ausgabe des Rolling Stone

 

Seit jeher vertreten wir die Ansicht, dass die Kunstformen der Mode und Musik einander perfekt ergänzen und ähnlich starke Emotionen hervorrufen. Die Leidenschaft, die unsere Marke der Mode entgegenbringt, wurde nun mit einem Interview in der prestigeträchtigsten Musikzeitschrift überhaupt bestätigt: Das mittlerweile fast “historische” Magazin Rolling Stone, mit dem Patriza Pepe anlässlich der Pitti-Modemesse zusammenarbeitete, hat seine 100. Ausgabe einem langen Interview mit Patrizia Bambi gewidmet, ihres Zeichens kreative Leiterin der Marke Patrizia Pepe.

Hier der vollständige Text:

Fangen wir mit den Vorstellungen an. Wir haben versucht, dich zu googeln – aber man findet nur wenige Informationen zu deiner Person. Könntest du dich in wenigen Sätzen beschreiben?

Ich bin ein zurückhaltender Mensch, deshalb findet man im Web nur wenige Angaben zu meiner Person. Ich möchte nicht, dass viel über mein Privatleben bekannt wird. Nur so fühle ich mich frei. Ich habe Glück, weil ich eine Familie habe, die ich liebe, einen fantastischen Sohn und viele Freunde. Ich liebe Laufen und Tanzen, wann immer ich Zeit habe. Mein Leben ist erfüllt, weil ich meine Arbeit liebe und sie mit Leidenschaft mache. Ich bin in der Toskana geboren und lebe auch dort – zwischen Prato und Florenz, perfekt für die Arbeit, die ich mir ausgesucht habe: die Kombination aus industriellem Textilbezirk und der Stadt der Künste hat wesentlich zu dem Erfolg beigetragen, den ich in meinem Beruf erreicht habe.

Siehst du dich in deinem kreativen Ansatz eher als traditionelle Sammlerin oder als Revolutionärin?

Beides. Auf der einen Seite bin ich sicher Sammlerin, weil ich glaube, dass man die eigene Geschichte mit Respekt behandeln muss. Auf der anderen Seite verspüre ich immer den Drang, mit althergebrachten Stilkonventionen zu brechen. Ohne kleinen Revolutionen kann es keine Innovation geben.

Inwiefern beeinflusst dich der kreative Raum, in dem du arbeitest, und inwiefern beeinflusst du ihn?

Ich beeinflusse den Raum, nicht umgekehrt. Mein Unternehmen ist ein wunderbarer Ort. Offene, bunte Räumlichkeiten. Und obwohl dort unglaublich hart gearbeitet wird, ist niemals Spannung zu spüren – alle sind motiviert und mit Leidenschaft dabei. Deine Umgebung muss dir dabei helfen, dich bei der Arbeit gut zu fühlen.

Würdest du auch in einer anderen Stadt leben und arbeiten? Wenn ja, wo?

In Paris oder in New York. In Paris habe ich ein Haus, aber ich schaffe es nie, so oft hinzufahren, wie ich es gerne hätte.

Mode und Musik sind verschiedene Ausdrucksformen desselben kreativen Impulses. Wie erlebst du diese Verbindung?

Musik ist ein großer Teil meines Lebens. Sie beeinflusst meine Stimmung, bewegt meine Gefühle und regt so meine Kreativität an. Mode, wie auch die Musik und Kunst in all ihren Formen, hat die Kraft, Barrieren zu zerschlagen, Grenzen zu überschreiten, Menschen zu einigen.

Wenn du deine Arbeit mit der eines Rocksängers vergleichen müsstest, wen würdest du wählen?

In erkenne mich eigentlich in niemandem direkt wider – außer vielleicht in David Bowie. Fashion-Ikone Nummer Eins! Sein Stil inspiriert mich mehr als der jedes anderen Rockstars. Er ist einfach immer aktuell. Und die Silhouette für meine Männerkollektion gucke ich mir am liebsten vom Glam-Rock ab. Für die aktuelle Kollektion heißt das – ich stelle mir einen Mann vor, der in der elektrisierenden, chicen Atmosphäre der französischen Boulevards ebenso zu Hause ist wie in der friedlichen Stille eines verlassenen Strands.

Mit dieser Nummer feiern wir die 100. Ausgabe des Rolling Stone in Italien. Welche sind die Alben und Songs, die deiner Meinung nach die Geschichte der italienischen Musik von den Sechzigerjahren bis heute geprägt haben?

Celentano mit 24mila baci und Yuppi du, Morandi mit Fatti mandare dalla mamma und Non sono degno di te, Mina im Jahr 1971, Emozioni von Lucio Battisti, Volume I von Fabrizio De Andrè; Opera Prima der Pooh; Questo piccolo grande amore von Claudio Baglioni; Siamo solo noi von Vasco Rossi; Lorenzo Raccolta 1990-1995 von Jovanotti; Mentre tutto scorre von Negramaro, Luigi Tenco im Jahr 1962 und Battiato im Jahr 1986… und vielleicht auch Laura Pausini?

Bei der VFNO im letzten September hast du Royksopp als DJs engagiert. Wer schwebt dir für das nächste Mal vor?

Will.i.am

Was heißt es im Jahr 2012, ein Rockstar zu sein? Kannst du uns ein Beispiel geben?

Mit Blick in die Verganganheit würde ich charismatische Figuren wie David Bowie, Mick Jagger, Jimi Hendrix und einige weitere anführen. Sie haben ihr Leben nach ihrer eigenen Fasson gelebt, Stadien und Parks gefüllt, ihre Fans zum Schreien und Weinen gebracht. Sie haben starke Emotionen hervorgerufen – mit ihren Stimmen, ihren Gitarren, ihrer Art, sich zu kleiden und sich auf der Bühne und im Leben zu bewegen. Sie haben den Soundtrack zu einer Bewegung geschrieben, die die Welt verändern wollte – und das ist ihr teilweise auch gelungen. Heute sehe ich in der Welt der Musik nichts, was dem gleichkommt. Um einen echten Rockstar zu finden, müssen wir in der Vergangenheit suchen. Heute geht es bei den Rockstars mehr ums Image und sie sind wesentlich angepasster, als das früher der Fall war. Allerdings wirken sie oft bei der Organisation von Konzerten mit, bei denen die Einnahmen armen und unterdrückten Ländern zugute kommen, oder Opfern von Naturkatastrophen. Das ehrt sie natürlich, keine Frage. Trotzdem würde ich sagen, dass die einzige Künstlerin der letzten Jahrzehnte mit echten Starqualitäten Madonna gewesen ist. Lady Gaga hingegen ist für mich nur die Nachahmung eines Stars: eine Persönlichkeit, die bewusst konstruiert wurde. Dass sie künstlerisches Talent hat, bestreite ich dabei gar nicht.

Was heißt es im Jahr 2012, ein Rockstar der Modebranche zu sein? Kannst du uns ein Beispiel geben?

Ein “Rockstar” der Modebranche zu sein, bedeutet, sich über Stilkonventionen hinwegzusetzen. Unkonventionell zu sein, Emotionen hervorzurufen, ein sinnliches Modell vorzugeben – aber immer mit Biss, mit Aggression, mit dem gewissen Etwas, das Blicke auf sich zieht und zeigt, dass man immer nach Neuem strebt. Und das habe ich in meiner Arbeit immer umzusetzen versucht. Meiner Meinung nach gibt es heute zwei Stars in der Modebranche: Vivienne Westwood und Karl Lagerfeld. Rockstars sind sie aber keine. Denn der neue Rockstar der Modebranche kann natürlich nur ich selbst sein!

Die Frage muss jetzt einfach kommen… Wenn du keine Designerin geworden wärst, stündest du dann auf der Bühne?

Ja, dann wäre ich Tänzerin. Das ist noch immer mein geheimer Traum. Meinen anderen – Designerin zu werden – habe ich mir ja erfüllt.

Wie sieht deine Playlist für die Arbeit aus?

Supertramp (Paris), Led Zeppelin, Deep Purple, Angie (The Rolling Stones), Ziggy Stardust und Space Oddity (David Bowie), The Cure, Roxanne (The Police), Red Hot Chili Peppers, Pensieri e Parole (Lucio Battisti), PFM, Guns’N'Roses, Nirvana, Smashing Pumpkins, Skunk Anansie, Billie Jean (Michael Jackson), Linkin Park, Muse, Cesària Evora, The Church (liahhman Levi), Foxy Lady (Jimi Hendrix), Bob Marley, Corazon Desperado (Carlos Santana), Smooth Operator (Sade), Grace Jones, Blondie, Velvet Underground, Because the Night von Patti Smith, Dove ho visto te (Jovanotti), Amadou & Mariam, Green Day, Subsonica, Negramaro, Kasabian und Voglio farti un regalo des Albums Mr. Simpatia von Fabri Fibra, auf dem er mich auf besonders nette Weise zitiert! Ziemlich frech…

Deine 5 Top-Lokale/Clubs weltweit.

Das Soho House in London, der Club auf der 18. Etage des Standard Meat-Packing District in New York, Silencio in Paris, das kürzlich vom Regisseur und Künstler David Lynch gegründet wurde, und Lux Fragil in Lissabon. Und in der Vergangenheit – also Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre – zweifellos Studio 54 in New York.

 

 

 

 

 

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